Therapeutensuche
Wenn man Psychotherapie sucht, muß man sich darüber im Klaren sein, dass man zum Therapeuten eine langfristige Beziehung haben wird (eine sog. therapeutische Beziehung, die sich erheblich von einer Alltagsbeziehung unterscheidet), manchmal eher positiv, aber manchmal auch voller Spannungen. D.h. es geht nicht nur darum einen Therapeuten zu finden, sondern denjenigen oder diejenige, wo es einfach stimmt. Um dies zu entscheiden, sind die bereits erwähnten probatorischen Sitzungen eingerichtet. Der Zeitraum für einen wirksamen therapeutischen Prozess beträgt mindestens Monate, eher Jahre. Alles was kürzer ist, fällt in die Rubrik Beratung, die allerdings auch gelegentlich schon gutes bewirken kann. Wer behauptet, in wenigen Stunden Therapie im eigentlichen Sinn anbieten zu können, den sollte man sich zweimal anschauen, auch wenn der eigene Wunsch, dass es schneller gehen möge, noch so verständlich ist.
Aber nun zur Praxis. Bevor man sich für jemand entscheiden kann, muß man ihn erst mal zu Gesicht bekommen.
Der gängigste Weg ist möglicherweise die persönliche Empfehlung durch Freunde und Bekannte (falls man sich dort offenbaren möchte), oder aber durch den behandelnden Haus- oder Facharzt. Aber dieser Weg ist meist begrenzt.
Liegt eine solche Vorentscheidung nicht vor, sollte man sich zuerst einen Überblick über die ortsansässigen Therapeuten verschaffen.
Dieser ist aus Therapeutenlisten verschiedenster Interessenverbände zu bekommen. Am einfachsten ist es, die eigene Krankenkasse anzusprechen. Praktisch alle Kassen geben auf Anfrage an ihre Mitglieder z.T. recht detaillierte Listen aus. Auch die Ärzte, über die man den Rat zur Therapie bekommen hat, haben vielleicht eine solche Liste. Allen voran die Psychiater und evtl. der Hausarzt.
Da zwischenzeitlich auch die psychologischen Therapeuten Mitglieder der Kassenärztlichen Vereinigungen sind, gibt es auch dort eine Liste aller kassenzugelassenen Therapeuten mit ihren Spezialisierungen. Die KVen haben in ihrer Homepage Suchmaschinen integriert, die nach den unterschiedlichsten Kriterien alle zugelassenen Therapeuten auflisten. Am einfachsten ist wohl der Zugang über die kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), von der aus man über einen Link zur entsprechenden Landes-KV gelangen kann. Dort ist auch eine Telefonnummer angegeben, unter der man versucht, Informationen über freie Therapieplätze zur Verfügung zu stellen. Allerdings werden dort vermutlich nur die wenigsten Therapieplätze von den Therapeuten gemeldet.
Link zur Kassenärztlichen Bundesvereinigung (www.kbv.de)
Hat man sich bereits für eine bestimmte Therapierichtung entschieden, so können die Homepages der entsprechenden Berufsverbände oder Institute nützlich sein, in die meist ebenfalls Suchmaschinen integriert sind, wo man aber auch telefonisch eine Liste anfordern kann.Siehe hier unter Adressen/Links
Auch gemeinnützige Vereinigungen, z.B. die Stiftung Gesundheit, halten Adressenlisten vor. Z.B.www.arzt-auskunft.de
Was macht man nun mit den erhaltenen Informationen.
Die psychotherapeutischen Praxen sind aus den verschiedensten Gründen gut ausgelastet. Deshalb sind gewisse Wartezeiten auf einen Therapieplatz leider nicht zu vermeiden. Da Psychotherapeuten meist kein Sekretariat betreiben, landet man in der Regel zunächst bei einem Anrufbeantworter, der auf eine telefonische Sprechzeit verweist. Da auch Therapeuten Menschen sind, und sich zuerst einen Eindruck verschaffen möchten, mit wem sie langfristig arbeiten werden, und die sog. Indikationsstellung beim Erstkontakt noch unklar ist, empfiehlt es sich, zunächst kurz die wesentlichen Informationen mitzuteilen, und nach einem einzelnen Beratungstermin zu fragen. Denn zur engültigen Festlegung der Arbeit sind die bereits erwähnten probatorischen Sitzungen vorgesehen. Der Entschluss zur Therapie ist dann eine gemeinsameEntscheidung.
Meist kommen mehrere Therapeuten für die vorgesehene Therapie in Frage, so dass man eben auch bei mehreren Therapeuten anrufen kann. Der Umgang mit solchen Anfragen wird von Seiten der Therapeuten unterschiedlich gehandhabt. Manche führen "Wartelisten" (meist die Verhaltenstherapeuten), andere nehmen Patienten dann an, wenn gerade Raum dafür vorhanden ist. Es ist ohne Zweifel zunächst kränkend, sich in einer Notsituatuation "anstellen" zu müssen, aber ein wiederholter Anruf nach angemessener Zeit unterstreicht die Bereitschaft zur Zusammenarbeit. Gelegentlich kommt es vor, dass jemand sein Interesse an einem Therapieplatz schriftlich formuliert und seinen Anruf für die folgenden Tage ankündigt.
Die laufenden Therapien sind zwar über Jahre terminlich festgelegt, andererseits ergeben sich immer wieder Veränderungen, weil z.B. ein Patient umzieht oder die Therapie aus anderen Gründen vorzeitig aufhört. Auf diese Weise werden die zunächst oft unzumutbar erscheinenden Wartezeiten relativiert. Da Patienten auch mal im Urlaub oder krank sind, gibt es immer wieder einzelne Stunden, die für orientierende Gespräche zur Verfügung stehen. Zeichnet es sich ab, dass eine gemeinsame Arbeit sinnvoll ist, kann die dann noch unvermeidliche Wartezeit u.U. durch eingeschobene Einzelstunden überbrückt werden.