Psychotherapie im Alter

Bis vor wenigen Jahren hing man allgemein der Vorstellung nach, dass ein Mensch ab dem 40. Lebensjahr nicht mehr für eine Psychotherapie geeignet ist, weil innere Haltungen zu sehr verfestigt seien. Andere Erfahrungen wurden zwar gemacht, fanden aber keine Akzeptanz.

Inzwischen sind mehrere Umstände deutlich geworden:

1. Im Vergleich zu früher sind mit wachsender Lebenserwartung und Veränderung unserer Gesellschaftsstruktur die heute 60jährigen etwa so "fit" wie die damals 40jährigen. Es ist quasi ein neuer, bisher unbekannter Lebensabschnitt zwischen Ruhestand und wirklich hohem Alter entstanden.

2. Auch bisher das ganze Leben beschwerdefreie Menschen können durch die veränderten Lebensumstände im Alter seelische und psychosomatische Erkrankungen erfahren, die sich in ihrer Aktualität und den Behandlungsmöglichkeiten durch nichts von den Erkrankungen jüngerer unterscheiden.

3. Durch Verschlechterung körperlicher und geistiger "Kräfte" können Erkrankungen, die bisher gerade noch so kompensiert werden konnten (z.B. Depressivität oder Ängste) sich massiv verschlechtern.

4. Gerade mit der knapper werdenden Lebenszeit können sich alte, bisher nicht ausreichend bearbeitete Verletzungen und Probleme erneut massiv zu Wort melden.

Es ist also keine Frage: Psychotherapie im Alter kann dringend notwendig werden, ist aber auch erfolgversprechend. Meist wird man im Alter nicht mehr die ganz langen Prozesse anstreben (grundlegende Veränderung ist eben doch schwieriger). Die Erfahrung zeigt, dass meist mit kürzeren, fokussierenden, die realen Lebensumstände betonenden Therapieformen gearbeitet wird. Besonders die Gruppentherapie hat sich hier als hilfreich erwiesen.

Eine ganze Reihe von Therapeuten und Institutionen hat sich bereits schwerpunktmässig mit Psychotherapie im Alter beschäftigt.

Zum Vortrag Dr. med. Robert Röhrig: Wandlungen von Liebe, Eros und Sexualität im Alter (2006)

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